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Bildung bewegen. Perspektiven schaffen.

Bericht zur ersten Bundeslandkonferenz Saarland

Am 30. Juni fand die erste Bundeslandkonferenz der Transferagentur RLP-SL in Kooperation mit dem Regionalverband Saarbrücken statt. Im VHS-Zentrum des Regionalverbands kamen rund 50 Vertreter aus Kommunen, Kammern und Bildungsträgern zusammen, um sich zu den Herausforderungen der Gestaltung einer lokalen Bildungslandschaft auszutauschen und gute Beispiele aus der Praxis kennenzulernen.

Für das saarländische Ministerium für Bildung und Kultur begrüßte Frau Christine Streichert-Clivot, Abteilungsleiterin für bildungspolitische Grundsatz- und Querschnittsangelegenheiten, die Teilnehmer. Ein großes Lob sprach sie insbesondere den Landkreisen, Städten und Gemeinden für ihr Engagement bei der Integration junger Flüchtlinge aus. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Kommunen sei ein wichtiger Beitrag für die Sprachförderung von Migranten. In den Kommunen  bedürfe es einer ämterübergreifenden Verantwortungspartnerschaft, um derartige Aufgaben erfolgreich zu lösen, so Streichert-Clivot. Auch betonte sie die Notwendigkeit, Bildung im Lebenslauf zu betrachten. Gute Bildung bedeute nicht nur Ganztag in den Blick zu nehmen, sondern auch den Übergang von der Schule in den Beruf. 

Dr. Katja Wolf, Leiterin der Transferagentur, informierte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über das Angebot der Transferagentur und wies die Kommunen auf das bundesweite Förderprogramm „Bildung integriert“ hin, das einen finanziellen Anschub für die Entwicklung eines kommunalen Bildungsmanagements liefern soll.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff eines integrierten kommunalen Bildungsmanagements? Wie füllt man dieses Konzept mit Leben? Und wie schafft man einen Mehrwert statt nur ein Mehr an Aufwand für die Kommune? Dorothea Minderop, ehemalige Referentin im niedersächsischen Kultusministerium und Autorin zahlreicher Publikationen zur Thematik regionaler Bildungslandschaften, behandelte diese und andere Fragen in ihrer Rede. Dabei brachte sie neben großer fachlicher Expertise auch ihre Erfahrungen aus verschiedenen „Lernen vor Ort“ Kommunen ein. Sie beschrieb Qualitäts- und Erfolgsfaktoren, gab Erfahrungswerte zum Aufbau und Aufgabenbereich einer Lenkungsgruppe weiter und benannte mögliche Stolpersteine.

„Sie müssen sich Bildung auf die Fahne schreiben.“


Bildung ist Teil der Daseinsvorsorge und müsse von der Kommune aus gedacht werden, sagte Minderop. Es brauche allerdings geregelte Strukturen, um gemeinsame Vorhaben im Bildungsbereich zum Erfolg zu führen – also ein kommunales Bildungsmanagement. Qualitätsfaktoren könnten als Puzzleteile gesehen werden, die, richtig ineinander gefügt, das Bild einer kommunalen Bildungslandschaft ergeben. Um eine kommunale Bildungslandschaft zum Erfolg zu führen, sei politischer Rückhalt notwendig. Eine Bildungslandschaft funktioniere nur, wenn politisch Verantwortliche sie zur Chefsache machten. Darüber hinaus müssten auch Wirtschaft, Bürger und Institutionen der Zivilgesellschaft beteiligt werden. Transparenz ist hier eine Voraussetzung. “Wenn Transparenz gelingt, ist die Qualitätsverbesserung nicht weit.“ Als Mittel für mehr Transparenz diene die Bildungsberichterstattung, die auch als Handlungsgrundlage für bildungspolitische Entscheidungen fungiere. Zur Sicherung der Qualität einer Bildungslandschaft seien stabile Ressourcen und eine langfristige Planung notwendig.

Stiftungen als Kooperationspartner nutzen
Anschließend richtete sich das Augenmerk auf den Beitrag, den Stiftungen zur finanziellen Unterstützung eines kommunalen Bildungsmanagements leisten können. Beispielhaft stellte Karsten Alt, Vorstand der Globus-Stiftung, den Förderschwerpunkt „Unterstützung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen mit dem Schwerpunkt der Eingliederung ins Berufsleben“ der Globus-Stiftung in Deutschland vor und appellierte an die Kommunen, mit Ideen und  Projektskizzen auf die Stiftung zuzugehen.

Die Fachforen

Am Nachmittag konnten sich die Teilnehmer in drei Fachforen zu den Themen Bildungsmonitoring, Bildungsmarketing und Bildungsbüro anhand von bundesweiten, gelungenen Praxisbeispielen, die von qualifizierten Referenten aus den jeweiligen Kommunen vorgestellt wurden, gezielt informieren.

Bildungsmonitoring
Im Fachforum Bildungsmonitoring stellte Hanno Weigel aus der Transferagentur RLP-SL das IT-Instrumentarium am Beispiel des in der Stadt Trier aufgebauten „Trierer Informationssystems zum Lebenslangen Lernen (TILL)“ vor. Er erörterte potentielle Themenfelder, in denen es zum Einsatz kommen kann, welche Erleichterungen es bei der Dateneingabe und -auswertung für einzelne Ämter oder aber für den gezielten Zuschnitt eines Programms für bspw. Volkshochschule oder Schulverwaltungsamt leisten kann. Konkret wurde aufgezeigt, wie ein datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement die Verknüpfung quantitativer Vorgaben (bspw. Klassengrößen) mit kommunalen Zielen zur Sicherung der Schulqualität ermöglicht.

Bildungsberatung & Bildungsmarketing
Den Praxis-Impuls für dieses Fachforum erbrachte Dr. Anja Mai, zuständig für Bildungsberatung und Koordination im Zentrum für Bildung, Medien und Beratung, Kreis Lippe. Gutes Bildungsmarketing, so die Referentin, gibt Anstöße, die Komfortzone zu verlassen, will aktivieren, Neugier wecken, informieren und beraten. Dabei stelle das Thema Bildungsmarketing besondere Herausforderungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Bildungsbüros. Vom klassischen Marketing unterscheide das Bildungsmarketing vor allem der abstrakte Charakter des Produkts und die Eigenleistung des Kunden, der erst längerfristige Nutzen und die häufig unscharfen Ziele. Aufgrund der Konkurrenz mit anderen Akteuren um Aufmerksamkeit sei eine zielgruppengerechte Ansprache und Bildsprache notwendig, in der man sich wiedererkennen könne. Als gelungene Maßnahme nannte sie das Bewerben von Kursangeboten der Volkshochschule über Bildschirme im Eingangsbereich eines Supermarktes.

Das Bildungsbüro
Im dritten Fachforum lieferte Esther von Kuczkowski, Leiterin des städtischen Bildungsbüros Arnsberg, einen detaillierten Überblick zum Bildungsbüro als “operativen Knotenpunkt” im Bildungsmanagement. Sie startete mit der Vorstellung von Produkten, die das Bildungsbüro ihrer Stadt entwickelt hat. Beispielhaft stellte sie ein einzigartiges Projekt zur Partizipation von Jugendlichen vor, aus dem die Arnsberg-App mit jugendgerechter Ansprache, Gestaltungsvorschläge zur Sozialraumentwicklung und die Ausweitung kultureller Angebote hervorgegangen sind.

„Die Schule ist das Herz einer Gemeinde.”


Darüber hinaus sprach sie auch offen über die Herausforderungen des demografischen Wandels. Auch in Arnsberg seien die Schülerzahlen in Teilen zurückgegangen, einige Schulen zusammengelegt oder geschlossen worden. Dabei sei in besonderem Maße darauf geachtet worden, Einrichtungen in ländlichen Gebieten zu erhalten, sagte von Kuczkowski. Schulen und Kindergärten auf dem Dorf müssten bestehen bleiben, sie seien ein wichtiger Standortfaktor: schließt die Schule, geht auch das Dorf ein, junge Familien ziehen weg oder gar nicht erst hin. „Die Schule ist das Herz einer Gemeinde.”

Das große Interesse an praxisnahen Informationen zum Aufbau eines Bildungsbüros in finanzieller, wie in organisatorischer Hinsicht spiegelte sich in den Wortmeldungen der Teilnehmer wieder. Sie nutzten das Forum aber auch, um einen Appell an politische Entscheidungsträger zu richten. Projektorientierte Arbeit könne zwar einen notwendigen Anschub liefern, mittelfristig sei es aber wichtig, tragfähige Konzepte zu entwickeln, die sich verstetigen lassen. Ohne eine dauerhafte finanzielle Ausstattung sei dies aber kaum möglich, so der Tenor. Auch engagierte Mitarbeiter brauchten nachhaltige Erfolge, um motiviert zu bleiben.

Die Transferagenturen tragen hierzu ihren Teil bei, indem sie Erfahrungen und erfolgreiche Konzepte aus „Lernen vor Ort“ weitertragen. Die Motivation, etwas in ihrer Kommune zu bewegen war bei allen Teilnehmern, die sich bei hochsommerlichen Temperaturen zur Konferenz eingefunden hatten, deutlich zu spüren. Diese Aufbruchsstimmung will die Transferagentur RLP-SL in den kommenden Monaten nutzen, um gemeinsam mit den Kommunen individuelle Lösungsmodelle zu erarbeiten und die Weichen für die Weiterentwicklung der Bildungslandschaften in Rheinland-Pfalz und dem Saarland für die kommenden Jahre zu stellen.

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