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Jahrestagung Kommunales Bildungsmanagement 2018

Brücken bauen für die Bildung

Bildungsübergänge sind für Kinder und ihre Familien mit vielen Veränderungen verbunden. Ein gutes Übergangsmanagement kann Brücken bauen, die ihnen dabei helfen, den Schritt von einer Institution zur nächsten zu gehen. Jugendliche und junge Erwachsene kann es dabei unterstützen, den Weg ins Erwerbsleben zu meistern. Das Dorf, das Viertel oder die Stadt bilden den primären Bezugsrahmen bei Entscheidungen für den einen oder anderen Bildungsweg. Was Bürgerinnen und Bürger dabei benötigen, ist ein funktionierendes Netzwerk vor Ort, das Unterstützung und Orientierung bietet.

Die Jahrestagung 2018 nahm die über 100 Teilnehmenden mit auf eine Reise zu neuen Wegen der Gestaltung von Bildungsübergängen. In interaktiven Formaten wie World Café und Fishbowl beleuchteten die Teilnehmenden, wie sie ihre Arbeit verändern können, um Übergänge besser zu gestalten und eine erfolgreiche Netzwerkarbeit aufzubauen. In zahlreichen Foren lernten sie erfolgreiche Beispiele an Übergängen von der Kita bis zum Seniorenalter kennen. Dabei hatten die Teilnehmenden immer wieder die Möglichkeit, sich in festen Reisegruppen über das Gehörte auszutauschen.

Eröffnungsgespräch

Im Eröffnungsgespräch erörterte Moderatorin Annika von Walter das Thema Bildungsübergänge mit Christine Streichert-Clivot, Staatssekretärin im Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes, und Dr. Katja Wolf, Leiterin der Transferagentur RLP-SL. Dabei lobte Staatsekretärin Streichert-Clivot die kurzen Wege im Saarland – ein Grund dafür, dass es hier bereits mehrere gute Beispiele für ein kommunales Übergangsmanagement Schule-Beruf gibt und drei von sechs Kommunen ein kommunales Bildungsmanagement aufbauen. „Wir haben im Saarland ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen den Akteuren auf Landesebene und den Kommunen, insbesondere wenn es darum geht, die Bedingungen für gutes Lernen zu verbessern.“

„Gelungene Übergänge sind Bedingungen für erfolgreiche Bildungsbiografien“, stellte Leiterin Wolf fest. Dabei gehe es einerseits um Chancengerechtigkeit. Andererseits hätten Kommunen ein Interesse daran, dass das Leben in der Gemeinschaft gut funktioniert und Sozialkosten nicht weiter stiegen. Daher liege die Herausforderung für die Kommunen darin, dass die verschiedenen Bereiche an den Übergängen gut zusammenarbeiten.

World Café

Wie sich die Arbeit des Einzelnen in der kommunalen Bildungslandschaft verändern muss, um Übergänge besser zu gestalten, diskutierten die Teilnehmenden in einem World Café. Die Ergebnisse der 20 verschiedenen Tische zeigten starke Parallelen. Betont wurde insbesondere die notwendige Bereitschaft zu einer kontinuierlichen Zusammenarbeit an gemeinsamen Zielen. Transparenz, Verstetigung, solide Finanzierung, Begegnung auf Augenhöhe sowie gemeinschaftliche Verantwortung sind weitere Stichworte, die  von den Teilnehmenden genannt wurden. Auch die Notwendigkeit für einen Kulturwandel in den Institutionen wurde betont.

Netzwerkarbeit im kommunalen Übergangsmanagement

Prof. Dr. Jörg Fischer von der Fachhochschule Erfurt erläuterte in seiner Keynote, wie die Zusammenarbeit der Akteure an Übergängen in Netzwerken organisiert werden kann. Der Netzwerkansatz biete vielfältige Möglichkeiten, Angebote besser zu verkoppeln und den institutionellen Tunnelblick zu überwinden. Denn die Potentiale der verschiedenen Akteure könnten aufgrund von Doppelaktivitäten und fehlendem Wissenstransfer an den Bildungsübergängen nicht ausgeschöpft werden. Aufgrund von Funktions- und Hierarchiebarrieren erfolge die Arbeit der Fachkräfte in operativen Inseln. Dies sei allerdings kein persönliches Defizit der Fachkräfte, sondern liege im System begründet.

Netzwerkarbeit öffne Räume und Zugänge, die bisher nicht nutzbar gewesen seien. Dafür brauche es klare Verantwortlichkeiten und eine professionelle Koordination, die ein zielgerichtetes Zusammenwirken der beteiligten Akteure unterstützt. Das bedeute aber auch, dass Netzwerkarbeit ganz andere Kompetenzen erfordere – insbesondere von der Koordination. In einem Netzwerk als Struktur müssten neue Herangehensweisen und Methoden der Zusammenarbeit umgesetzt werden. Das umfasse auch das Formulieren der Ziele des Netzwerks. „Für eine erfolgreiche Netzwerkarbeit bedarf es gemeinsamer Ziele und eines gemeinsamen Verständnisses der angestrebten Arbeitsergebnisse“, machte Fischer klar. „Da ein Netzwerk und seine Partner auch Erfolge brauchen, sollten die Ziele zunächst nicht zu hoch gesteckt werden.“

Sehen Sie den Vortrag von Prof. Dr. Jörg Fischer als Videopodcast.

In der anschließenden Fishbowl-Diskussion wurde das Thema Netzwerkarbeit vertieft. Insbesondere die Themen Fehlerkultur und Koordination wurden hier intensiv diskutiert. Wichtig sei, sich im Netzwerk mit der Fehlerkultur auseinanderzusetzen, erklärte Professor Fischer.

Netzwerkarbeit ist immer zusätzlich und muss sich rechtfertigen. Daher müssten Politik und Leitungsebene in Aktionen eingebunden werden. Gleichzeitig sei es wichtig, die Eigenverantwortung der Regelstrukturen durch die Netzwerkarbeit nicht auszuhöhlen. Daher müsse Klarheit über die gemeinsamen Ziele und die Grenzen des Auftrags geschaffen werden. Aber auch die Rolle der Koordination müsse abgestimmt sein.

Austausch über Praxisbeispiele in den Foren

In vier parallelen Fachforen wurden erfolgreiche Beispiele für das Management an Übergängen vorgestellt. Die Themen reichten vom Monitoring am Übergang Schule-Beruf über Integration und Berufsorientierung bis zum Aufbau einer Präventionskette von der Geburt bis zur Ausbildung. Die Teilnehmenden konnten sich zu den Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten an den verschiedenen Übergängen austauschen. Im Dialogforum zu Jugendberufsagenturen nahmen die Teilnehmenden gemeinsam mit Expertinnen und Experten den Stand der Umsetzung unter die Lupe und diskutierten Perspektiven für die Zukunft der Zusammenarbeit.

Hier finden Sie die Dokumentationen der einzelnen Fachforen.

Die Bewältigung von Übergängen im Lebenslauf

Zum Einstieg in den zweiten Veranstaltungstag vollzog Professor Dr. Klaus-Jürgen Tillmann mit seinem Impulsvortrag einen Perspektivwechsel von der Ebene der Netzwerke und Strukturen hin zu einer biografischen Perspektive auf Übergänge. Er stellte fest, dass sich Lebensläufe flexibilisierten, während ein immer stärker normiertes Bildungssystem immer weniger Platz für flexible Lebensläufe lasse. Insbesondere schulische Übergänge seien nach wie vor an eine Leistungsauslese gekoppelt. Die standardisierten Anforderungen an den Übergängen würden jedoch von jungen Menschen subjektiv unterschiedlich verarbeitet und mit Erfahrungen von Erfolg und Misserfolg verknüpft. Das daraus resultierende leistungsorientierte Selbstbild könne positiv oder auch negativ geprägt sein.

Hier finden Sie den kompletten Vortragstext zum Download.

Poetischer Übergang

Eine ganz eigene Interpretation von Übergängen lieferte im Anschluss an den Vortrag der Slam Poet Bas Böttcher. Wortspielreich setzte sich der Berliner Künstler mit den Themen Sprache und Sprachbildung auseinander.

Übergänge managen in Heilbronn

Hansjörg Winter vom Bildungsbüro der Stadt Heilbronn berichtete im Interview über das Übergangsmanagement in seiner Stadt. Seit 2009 gebe es in Heilbronn ein Bildungsmanagement, das bereits früh einen Schwerpunkt auf Bildungsübergänge gelegt habe. So habe man eine vorgezogene Einschulungsuntersuchung eingeführt, mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog, der bei Defiziten in den Untersuchungsergebnissen greife. Seit 2010 gebe es zudem eine jährliche Bildungsberichterstattung, mit der ein Gesamtüberblick der Bildungslandschaft für Bürgerinnen und Bürger sowie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger geliefert werde. Im Bildungsbericht würden die Tätigkeiten an den Übergängen regelmäßig evaluiert und auch neue Maßnahmen vorgestellt. Durch die Einbindung in dieses Berichtswesen fußten die Empfehlungen des Bildungsbüros auf Fakten.

Gefragt nach der Entwicklung der Zusammenarbeit mit den Partnern zog Winter eine positive Bilanz. Insgesamt laufe die Zusammenarbeit über die Jahre immer besser. Nachdem man zuerst beäugt und dann getestet worden sei, werde man nun immer stärker als Partner wahrgenommen. Allerdings müsse man darauf achten, nicht mit Forderungen in die Zusammenarbeit zu gehen, sondern Expertise einzubringen und zu überzeugen. Man merke insgesamt, dass man noch mehr Marketing für das Bildungsbüro betreiben müsse.

Diskussion in den Foren am zweiten Tag

In einer zweiten Runde wurde den Teilnehmenden wieder die Möglichkeit zu intensivem Austausch in weiteren fünf Foren ermöglicht. In den Fachforen wurden Beispiele vom Übergang Kita-Grundschule, dem Übergang Schule-Beruf im ländlichen Raum bis hin zum Übergang in die nachberufliche Lebensphase vorgestellt. In einem Forum zur Freiburger Lupe konnten sich die Teilnehmenden über Möglichkeiten des Transfers dieses Modells in andere Kommunen informieren. Das Dialogforum zur Berufs- und Studienorientierung diskutierte intensiv, wie Kommunen in Zusammenarbeit mit allen wichtigen Akteuren die Berufs- und Studienorientierung vor Ort verbessern können.

Als besonders positives Resümee aus den beiden Tagen lässt sich fassen, dass die Teilnehmenden das Thema der Brücken in der Bildung nicht nur inhaltlich durch die vielfältigen Formate aktiv bearbeitet haben, sondern immer wieder auch den Brückenschlag zu anderen Teilnehmenden aus anderen Bildungsbereichen gesucht haben und somit viele Impulse von ihren Mitreisenden aus anderen Kommunen und Einrichtungen mitnehmen konnten.